Frühling mit Parkpflege und Katze

Viel zu früh aber doch: Frühling. Schon seit Tagen machen die Spatzen auf dem Balkon einen Lärm, als wollten sie den Frühling gewaltsam herbei schilpen. Noch machen sie sich ganz dick. Sie plustern sich tüchtig auf. Noch ist es kalt. Aber die Sonne scheint. Viele Bäume und Büsche scheinen kurz vor dem Austreiben zu stehen. Im kleinen Park lärmt die Parkpflege mit ihrer Maschinerie. Zwei Leute lehnen gelangweilt an ihrem Auto. Sie warten bis ihre Schreddermaschine sich endlich warm gelaufen hat. Um sie herum tausende Äste des Säulenbuchenwegs. Sie sollten die Säulenbuchen „Auf-asten“, ihrer unteren Zweige berauben. Es hätte Beschwerden gegeben. Männer hätten in ihrem Schatten gepinkelt. Sie haben die tannenartig gewachsenen Buchen fast aller Äste beraubt. Ein Radikalschnitt, von dem sich die Bäume eventuell nicht erholen werden. Es sieht grausam aus. Man möchte schreien angesichts soviel Brutalität. Wie stecken die Menschen das eigentlich weg? Ich wünsche mir die Wiedereinrichtung des preisgünstigen Instituts des Pissoirs, damit uns künftiger Kahlschnitt erspart bleibt.

Im neuen Park auf dem Gleisdreieck ist ungeachtet seiner bisherigen Kargheit viel los. Man wundert sich, wo die Leute alle herkommen. Wo waren sie die letzten dreißig Jahre, als es diesen Park noch nicht gab? Auf dem Spielplatz ist eine ganze Gruppe, vielleicht ein Jugendleiter mit seinen Kindern. In der Kleingartenanlage hat das Café Eule bereits wieder eröffnet. Eigentlich wollte die Betreiberin die Wintermonate über pausieren. Handelt es sich doch um ein Open-Air-Café. Aber die Leute nutzen jeden Sonnenstrahl, um raus zu gehen. Die jungen Eltern mit ihren Kindern am nahe gelegenen Spielplatz scheinen die Hauptklientel dieser netten neuen Variante der Trinkbude zu sein. Mir scheint, anziehend ist das Café Eule besonders, weil es am kleinen „Marktplatz“ zwischen den beiden erhaltenen Inseln mit Wildwuchsbäumen steht. Der Wildwuchs regt die Phantasie an, der Platz dazwischen hebt die Schönheit der unbeschnittenen Natur deutlich heraus.

Im Park lustwandeln die Leute besonders gerne zwischen den Wildwuchs-Bäumen. Also jenem Teil des Parks, der offiziell gar nicht zugänglich ist. Weil dem Land (zum Glück?) das Geld ausgegangen ist, hier noch gestaltend zu wirken. Die Kleingartenanlage wird angesichts der momentanen Matschwege nur teilweise in die Hunderrunden miteinbezogen. Dort haben in diesem Winter nicht alle Gartenzwerge überlebt. Diejenigen, die außerhalb der Zäune standen, mußten nun doch dran glauben. Viele sind verschwunden. Einer wurde als Treppchen mißbraucht, von einem der über den Zaun in einen Kleingarten steigen wollte. Der Zwerg verlor darüber seine schöne hellblaue Zipfelmütze. Allmählich verblassen die Kaninchenspuren im Schnee. Die Haselsträucher blühen bereits und die ersten Weidenkätzchen sind zu sehen. Nun begrüßt mich auch die dicke schwarzweiße Katze mit einem empörten Miau. Ist ihr nur der lange Winter oder auch die neue Parkpolitik mit ihren „Auf-geasteten“ Asphaltwegen allzu langweilig?

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