Land ohne Vieh. Amazonas im Trog.

Die Städter zieht´s aufs Land, jedoch ein Dorf mit einigermaßen lebendiger Umgebung zu finden ist nicht mehr leicht. Riesige Äcker veröden die Regionen und es gibt kaum noch Vieh auf den Weiden.  Immer mehr Dörfer sind einen Geräusch- und Geruchlichen Dämmerzustand geraten – ohne muhende Kühe oder blökende Schafe – seitdem die Politik mit struktureller Gewalt den letzten kleinen Bäuerinnen und Bauern die Exzistenz verunmöglicht. Auch der Tourismus, der sowohl den Bäuerinnen und Bauersfrauen als auch den LPG-Genossinnenen als Erwerbsalternative versprochen wurde, verschwindet sang- und klanglos aus den ausgeräumten Provinzen. Gegenden ohne Tiere, Vögel, Hecken und Feldraine, Bauminseln oder Wäldchen. Und dennoch will die europäische Politik weiterhin die bäuerliche Landwirtschaft zerstören.

Am 28. Juni 2019 nämlich haben sich EU-Kommission mit den Mercosur-Ländern (darunter Argentinien und Brasilien, mit denen eine verantwortliche Regierung gar nicht mehr verhandeln dürfte) auf ein weiteres Freihandelsabkommen geeinigt. Die EU-Kommission hat den Lateinamerikanern versprochen, dass wir Europäer noch mehr Rind-, Geflügel-und Schweinefleisch in uns reinstecken, unsere Kaffees oder Kuchen noch heftiger süßen, bloß damit der Rubel rollt. Wir  Europäer wären bereit, so heißt es im Abkommen, noch mehr Agrotreibstoffe zu beziehen oder noch mehr gentechnisch verändertes Soja für noch mehr Schweine kaufen, obschon unser Grundwasser schon jetzt an den überreichlichen Güllemengen krankt und der Soja-Anbau vielfach direkt auf Kosten des Amazonas-Waldes geht.

Auch für Milchprodukte ist die gegenseitige sogenannte „Marktöffnung“ vorgesehen, obwohl wir weltweit bereits genug Milch, Käse und Butter haben. Man ignoriert damit, dass man so direkt zur weiteren Abholzung des Amazonas-Regenwald beiträgt. Und immer mehr Kleinbauern und Selbstversorger Südamerikas in den Hunger treibt. Denn in den Mercosur-Ländern war besonders die Soja-, Zucker-und Fleischproduktion auf früher wie heute mit Gewalt angeeigneten Riesen-Haciendas immer schon einseitig auf den Export orientiert. Man betreibt hier heute eine absolut umweltschädliche industrielle Landwirtschaft. Der weltweit für den Erhalt eines erträglichen Klimas und als Pool der Artenvielfalt zentrale Amazonasregenwald wird gnadenlos geopfert, ohne jede Rücksicht auf unsere Gesundheit geschweige die kommenden Generationen. Die Menschenrechtsverletzungen, die im Zuge des Amazonas-Raubbaus geschehen, will man seitens der Politik so zusagen sehenden Auges nicht wahrhaben.

So stehen die Bauern in Europa vor großen Herausforderungen, denn sie sollen klimaverträglicher und tiergerechter produzieren, was ohne sorgfältige Arbeit mit entsprechenden Kosten auf den Höfen nicht zu machen ist. Und zugleich aushalten, dass die  Importe aus den Mercosur-Ländern zu einem Preisverfall für ihre Erzeugnisse führen werden. Diese Art von „Handelspolitik“, die weiterhin die ungleichen Produktions-, Umwelt-und Sozialstandards zugunsten der Agrarindustrie verschiebt, killt die Existenz von Bauernhöfen auf beiden Seiten des Atlantiks. Vertreter der bäuerlichen Landwirtschaft Europas fordern daher ihre Regierungen auf, dieses Handels-Abkommen im EU-Rat abzulehnen. Vielmehr  brauche Europa eine Handelspolitik für bäuerliche Erzeuger und faire und kostendeckende Preise für ihre Milch, ihr Gemüse oder Getreide. Denn längst sind die Menschen weltweit mehrheitlich an qualitativ hochwertigen, regional erzeugten Lebensmitteln interessiert, deren Herstellung weder auf Kosten des Klimas, des Tierschutzes oder der Artenvielfalt bzw. einem guten Leben in lebendiger Umgebung auch auf dem Lande geht.