Regenwaldzerstörung dank Palmöl

Kein Öl ist derartig effizient wie das Palmöl – wenn man die Folgeschäden ignoriert. Klima- und soziale Schäden, die Folge des Abholzens der ursprünglich an Stelle der Palmplantagen wachsenden Regenwälder sind und auf Kosten der Waldgarten-Bauern  der Region und der ganzen Welt gehen. Die beiden Biologen Frauke Fischer und Frank Nierula geben in ihrem Buch „Palmöl-Kompass“ einen sachlichen Überblick über die Umweltfolgen des Palmöl-Anbaus. In den ersten Kapiteln erklären sie, wie es dazu kam, dass die afrikanische Ölpalme, Elaeis guineensis, zu der heute weltweit am meisten angebauten Palmenart wurde. Im Gegensatz zu anderen Öl-Pflanzen liefert sie nach vier Jahren über 20 Jahre hinweg einen anhaltend hohen Ertrag. Dafür braucht sie allerdings tiefe Böden, eine immense Wasserzufuhr und ein tropisch warmes Klima. Nach der Ernte müssen die Früchte sofort verarbeitet werden. Die Ölpalme liefert Öl aus dem orange-gelben Fruchtfleisch sowie das Palmkern-Öl des farblosen Inneren des Kerns. Sogenannter Biodiesel aus Palmöl ist bei den (Erd-)Öl-Firmen gern gesehen, weil er deutlich länger als anderes hält. Das weiße Palmkern-Öl hingegen ist in der Küche und der Kosmetik-Industrie beliebt, weil es aufgrund seiner vielen gesättigten Fettsäuren viel länger als andere Fette hält. Es wird daher gern zum Kochen und Backen bzw. Stabilisieren von Kosmetika benutzt.

Vor etwa 20 Jahren beschlossen die Europäer den Klimawandel begrenzen zu wollen, indem sie auf „nachwachsende Rohstoffe“ setzten. Diese wollten sie ausgerechnet aus den Regenwäldern der Erde beziehen. Sie bedachten dabei merkwürdigerweise nicht, dass das Abholzen der immergrünen Regenwälder ökologisch außerordentlich schädliche Folgen für das gesamte Welt-Klima hat. Beim Abbrennen von tropischen Wäldern werden Klimaschädliche Gase die bisher im Waldboden gebunden waren in hohem Maße frei. Nur wenn neue Palmölplantagen ausschließlich auf ausgelaugtem Weide-Land angelegt würden, hätten sie einen für das Weltklima positiven Effekt. Hingegen hat es, wenn man einen intakten Urwald abholzt, um darauf Monokulturen anzulegen, keinen das Klima schützenden Effekt. Zumal dann nicht, wenn die Böden der Ölplantagen zwecks „Effizienz“ mit Agrargiften behandelt werden, deren ökologischer Fußabdruck ebenfalls beachtlich ist. Besonders Regenwälder auf Torfböden speichern die 50fache Menge an CO2 als andere Kulturen. Um den negativen Effekt den das Abholzen der Regenwälder hat kompensieren zu können, müssten solche Palmölplantagen 80 Jahre in Betrieb sein. Sie sind in der Regel aber nur 30 Jahre zu beernten. Wenn für eine Öl-Plantage sogar uralte Dauer-Torfböden entwaldet und entwässert werden, wie auf Borneo vielfach der Fall, müsste eine Öl-Plantage über 400 Jahre in Betrieb bleiben, um den entstandenen Klimaschaden kompensieren zu können. Die Idee des Klimaschutzes via Palmöl ist also illusorisch.

Der inhumane Effekt des Regenwaldabholzens ist zudem, dass die Einheimischen, die meisten Klein-Bäuerinnen und -Bauern, mit ihren Wäldern und ihren Ländereien auch ihren Lebensunterhalt verlieren. Einige von ihnen, deren Anbauflächen von den Konzernen illegal oder nach massivem Druck übernommen und abgeholzt wurde, versuchen als Arbeiter*innen ihr Geld zu verdienen. Auf den Plantagen erhalten sie aber nicht genug Lohn, um davon leben zu können. Auch Kleinbauern, die auf Palmölanbau umstellen, erhalten nicht genug für ihre Palmnüsse und verlieren also mit der Umstellung auf die neue Monokultur ihr bisher sicheres Auskommen von ihrer traditionellen Waldgarten-Landwirtschaft.

Die der industriellen Landwirtschaft geopferten Regenwälder verlieren ihre Klima-stabilisierenden Wirkung auf die Region und das Weltklima. Die Regensommer 2016 und 2017 in Europa können auch durch die mehrmonatigen Dauerbrände auf Borneo und Nachbarinseln bewirkt worden sein, insofern dort ab September 2015 und im Folgejahr erneut riesige Urwaldflächen nicht ganz unwahrscheinlich auch im Auftrag der Ölanbauenden-Konzerne niedergebrannt wurden. Da sie – zumal als Torfbodenbrände – schier nicht zu löschen waren, starben Tausende von Einheimischen von Borneo, Indonesien und Papua an Brandvergiftungen. Kleinkinder erfuhren durch langanhaltende Atemnot lebenslängliche Schäden.

Die Kritiken zahlreicher Tier- und Klimaschützer sowie weiterer NGOs, die sich für die dort lebenden Menschen, aber auch die Tiere und die Pflanzenvielfalt einsetzen – ist doch diese Region Hort der Biodiversität par excellence – haben in der jüngsten Zeit immerhin erreichen können, dass Agrarkraftstoffe in Europa künftig vermehrt aus hiesigen Quellen gespeist werden sollen. In der Landwirtschaft kommen jedoch nach wie vor 25% des dort verwendeten „Biodiesels“ aus dem tropischem Regenwaldgürtel.

Im letzten Drittel des Buchs werden die verschiedenen Siegel vorgestellt, mit denen die schädlichen Auswirkungen des Palmöl-Anbaus gedämpft werden soll. Käuferinnen und Einkäufern soll es so erleichtert werden, sich beim Einkauf gegen Palmöl zu entscheiden, das heute in Hunderten von Produkten versteckt ist. Immerhin bewirken die meisten Standards, dass sich einiges zugunsten der Arbeiter*innen auf den Plantagen verbessert hat. Viele der Nachhaltigkeits-Standards werden allerdings viel zu wenig kontrolliert. Und insgesamt greifen alle diese Siegel bisher zu kurz, um den weltklimaschädlichen Impact des Palmölanbaus ernsthaft abfedern zu können. Wer seinen klimaschädlichen Palmöl-Verbrauch deutlich reduzieren möchte, kann sich mit diesem Buch sicher gut versuchen zu helfen.

Frauke Fischer und Frank Nierula, Der Palmöl Kompass – Hintergründe, Fakten und Tipps für den Alltag, München: Oekom Verlag 2020, 172 Seiten, zahlreiche Abbild. 20,00 €

Cover: Der Palmöl-Kompass

Dazu auch: www.regenwald.org/themen/palmoel