Weihnachtswunsch

„Was wünschst Du Dir?“ fragt meine Schwester mich mütterlich, als wir so über unseren schönen Wochenmarkt schlendern. Mir fällt nichts ein: „Wir haben doch alles.“ Ich denke daran, wie peinlich unser Zuviel ist, wenn man beispielsweise durchs ländliche Afrika fährt. Dann fällt mir aber doch etwas ein. Ich wünsche mir von meinen Lieben, dass sie versuchen mittels ihres Einkaufsverhalten dem Klimawandel ein ganz klein wenig entgegen zu wirken. Dass sie möglichst nur noch beim Bauern nebenan einkaufen, auf dem Markt oder beim kleinen Selbstständigen, der sich noch keiner Kette angeschlossen hat, auch wenn beiden einen Tick teurer sein mögen. Ich wünsche Euch, liebe Freunde, dass Ihr da einkauft, wo im Laden die Überfülle nicht quält, wo es „Gemüse von Bauer Klaus“ gibt, den ich im Sommer im nördlichen Spreewald auch besuchen gehen kann. Natürlich handelt es sich dabei Biobauern, bei denen Ihr einkaufen solltet, solche also, die nicht durch Glyphosat-Nebel und andere Agrargifte zum Verschwinden unseres Wohlbefindens beziehungsweise unserer Gesundheit beitragen. Und ich wünsche mir, dass auch in Corona-Zeiten wir nichts über Firmen bestellen, die keine Tariflöhne zahlen. Und ich wünsche mir, dass wir alle jene Produkte aus Übersee, auf die wir heute nicht verzichten mögen, wie Kakao, Tee, Kardamon oder Kaffee von Kooperativen von Kleinbauern aus Äthiopien, Kenia oder Mexiko kaufen, wo also etwa 20 % statt nur 7 % des Produktpreises den Produzenten, den Bäuerinnen zu gute kommen. Ein  Klimaverträgliches Einkaufen, das nicht nur den Pflanzen und Tieren, sondern auch den Kleinproduzenten, den Biobauern, den kleineren Selbstständigen zu gute kommt. Bedeutet Frieden mit der Natur, dem Klima, den Tieren des Regenwalds oder sagen wir Mutter Erde, Gaia nicht auch Frieden für die Menschen? Und geht es nicht immer auch darum, irgendwo einmal klein anzufangen?

Wangari Maathai erzählt in ihren Memoiren vom afrikanischen Feigenbaum. In jedem Dorf in Kenias fruchtbarem Hochland gab es einen solchen uralten Feigenbaum, der als fast heilig gehütet wurde, niemals wurde er abgehauen. Denn es hieß, der Feigenbaum würde dafür sorgen, dass die nahegelegene Quelle niemals versorgen würde. Seine tiefen Wurzeln hielten den Boden und schützen ihn vor Erosion. Den Kikuyu am Fuße des Mount Kenias ging es gut, zwar mussten alle körperlich hart arbeiten im Garten und auf den Feldern, hatten jedoch immer ausreichend zu Essen, erfreuten sich an ihren gemeinsamen Mahlzeiten. Erst viel später, als Wangari schon lange weg war, in den USA studiert und in Deutschland promoviert hatte und an der Universität Nairobi unterrichtete, kam sie wieder in ihr Heimatdorf. Aber wie sah ihre Heimat nun aus: Seit der späten 1960er Jahre war alles auf eine geldorientierte Landwirtschaft umgestellt worden: auch die einheimischen Bauern bauten jetzt Tee für den Export an und hatten dafür fast alle Bäume gefällt. Das Fehlen der Bäume führte dazu, dass die Flüsse in der Regenzeit die Ackerkrume wegschwemmten, es wurde immer trockener und regnete immer seltener. Überall sah die studierte Biologin Zeichen starker Bodenerosion und die Quellen im Dorf waren versiegt. Die Leute aßen statt ihren eigenen Gartenprodukten billigen weißen Reis, gezuckerte Fertigprodukte und wurden krank. Und als der von der Intensiv-Landwirtschaft ausgelaugte Boden nichts mehr hergab, mussten sie hungern. Daraufhin beschloss Wangari Maathai mit den Frauen des Nationen Frauenrats Kenias gegen die Verwüstung und den Klimawandel Bäume zu pflanzen. So entstand das „Green Belt Movement“, die afrikanische Grüngürtelbewegung, die mit Hilfe Tausender einfacher Dorffrauen, die sehr wohl verstanden worum es geht, in der ganzen Sahelzone Millionen von Bäumen pflanzte. Sie kam dafür mehrfach ins Gefängnis, bis sie endlich den Friedensnobelpreis dafür erhielt! Ich empfehle als fesselnde Weihnachtslektüre ihre Autobiografie: Wangari Maathai, Afrika. mein Leben – Erinnerungen einer Unbeugsamen, Köln: Dumont 2012