Subsistenz, Ackern, Erderhalt

Am 6. Februar wurde Maria Mies 90 Jahre alt – gerade nachdem Bauern in Berlin eine ganze Woche demonstriert hatten. Als Hochschullehrerin und Forscherin vertritt sie die „Subsistenzperspektive“, die vom Notwendigen her auf die Welt schaut, sozusagen vom Teller her die Erde betrachtet und zwar vornehmlich aus der Perspektive der Bäuerinnen des Globalen Südens. Den notwendige Perspektivwechsel, den die entstehende Frauenforschung forderte, spitzte sie so zu: betrachtet die Welt aus der Perspektive einer einfachen Landfrau etwa in einem Dorf am Äquator. Lange Jahre als Deutschlehrerin in Indien hatten Maria Mies die Augen geöffnet, ihr bäuerlicher Hintergrund tat das seine: sie stammte aus einer Bauernfamilie in der Eifel, sie waren zwölf Geschwister. Einer ihrer Verwandten ackert dort bis heute…

Mit ihren direkten Forderungen nach mehr Gerechtigkeit auf der Welt und ihrer eher undiplomatischen Art eckte Maria Mies vielfach an, seitens ihrer Kollegen der deutsprachigen Soziologie blieb sie trotz Doktorvater René König und ihrer Professuren more or less unrezipiert. Nicht so jedoch in der entstehenden Frauenforschung. Für die Frauenbewegung war etwa das Buch  „Frauen, die letzte Kolonie,“ verfasst zusammen mit Veronika Bennholdt-Thomsen und Claudia von Werlhof ein Augenöffner. Ähnlich wie auch das mit Veronika Bennholdt-Thomsen verfasste Buch „Eine Kuh für Hillary“, in der sie den Subsistenzansatz entfalteten: im Vordergrund die bäuerliche Selbstversorgung zu der der lokale Markt dazugehört. Erst nach Versorgung der Familie geht es um die Welt und den Staat. „Weltwirtschaft“ ist etwas, was eigentlich aus der bäuerlichen Selbstversorger „Wirtschaft“ entstand, das Wort „venare“ bedeutet ursprünglich „ernähren“. Mit der späteren indischen Saatgutaktivistin Vandana Shiva zusammen verfasste sie das Buch „Ecofeminism.“ Sie nahm sich auch die Zeit, die Schriften ihrer Freundin Farida Akhter über die Umwelt- und Frauenbewegungen in Bangladesh ins Deutsche zu übertragen und drucken zu lassen.

Maria Miesens nahezu alle auch auf englisch erschienenen Bücher wurden im Globalen Süden wahrscheinlich mehr gelesen als hierzulande, engagierte Frauengrüppchen machten sich überall daran ihre Schriften zu übersetzen, u.a. sogar ins Japanische. Überall begeisterte es die Feministinnen, dass diese Form von Landwirtschaft Ressourcen-sparend ist und die Tiere, die Pflanzen und die Erde, den Mutterboden und damit auch das Klima hegt und pflegt, statt sie durch Chemie und Gier (legitimiert durch einen angeblichen Zwang zum Wachstum) zu zerstören. Mit dieser Perspektive auf die Welt, würden übrigens auch die hiesigen Bauern genug für ihre Milch und ihre sonstigen Erzeugnisse erhalten und müssten nicht eine ganze Woche mit ihren Treckern in Berlin demonstrieren, wie die letzten Tage der Fall, um sich gegen die korrupte Lobbypolitik in der sogenannten „Agrarpolitik der FU“ zu wehren, die Finanzgiganten subventioniert, statt gutes Essen. Und so war auch Maria Mies stets gegen eine ungeregelte und Armutschaffende Globalisierung. https://www.abl-ev.de/initiativen/  Nachdem Maria Mies mit Farida Akhter und Vandana Shiva den Women´s Day on Food auf dem FAO-Gegengipfel 1996 in Rom organisiert hatten, hat heute die Land-Jugend der Welt die Idee aufgegriffen, wie jene von „Nyeleni“ oder La via campesina.

http://www.wloe.org/Texte-von-Maria-Mies.610.0.html

https://taz.de/Der-Hausbesuch/!5539630&s=meyer+renschhausen+maria+mies/

Maria Mies, Das Dorf und die Welt (Autobiografie), Köln: PapyRossa 2008, Rezension dazu in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 54. Jg. 2009, H 8, 114-116 von Elisabeth Meyer-Renschhausen

Farida Akhter, übersetzt und hrsg. von Maria Mies, Samenkörner sozialer Bewegungen, Freiburg: Centaurus 2015