Klimafragen zur Erntezeit

Die extrem-Wetter, wie die extremen Dürren in den vergangenen Jahren, die einen Teil unserer Bäume verdursten ließ und die extremen Regenfälle mit zerstörerischen Hochwassern in diesem Jahr, zeigen uns, dass der Klimawandel in vollem Gange ist. Das allherbstliche Erntedankfest erinnert die Menschen daran, dass sie immer noch von der Natur abhängig sind, die die Lebensmittel hervorbringt, von denen man so lebt. Wir stehen vor einer Natur, zu der wir zudem selbst gehören, die in ihre unglaublich fein ziselierten Komplexheit offenbar niemals vollständig zu durchschauen ist. Bringt nicht tatsächlich jeder Fortschritt einen gewissen Rückschritt, weil ungeplante Folgeschäden entstehen? Die neue Bahn beispielsweise fährt schön schnell, hängt aber das platte Land von der allgemeinen Entwicklung ab. Lebensmittel per Bahn in die Stadt zu bringen: Hierzulande heute nahezu undenkbar. Kunstdünger macht die Kohlköpfe so dick, dass man die Hälfte wegschmeißen muss. Die neuen Getreidearten haben für die Industrie praktische neue Körnerhüllen, die bei heute bald einem Drittel der Menschen Nahrungsallergien hervorruft. Hat so nicht jeder Preisvorteil unbeabsichtigte Nebenfolgen, wie allbekannt, wenn etwa die Herstellung von Billigfleisch auf Kosten der Wälder am Amazonas und damit das Klima geht?

So sollte es in den jetzt anstehenden Gesprächen zwischen den Parteien klar sein: erst einmal Inhalte klären, statt über Personalien zu schwätzen. Denn es sollte doch bei sowohl bei grünen wie auch liberalen und sozialen Parteien eindeutig sein: die Allgemeinheit schädigende Geldverschwendung und der das Klima zerstörende „Wachstums“-Wahn müssen aufhören. Wir müssen die freie Marktwirtschaft verteidigen? Handelt es sich um eine freie Marktwirtschaft, wenn durch Millionen-Subventionierung defacto nur die industrialisierte Landwirtschaft gefördert wird, die Ur-Wälder zerstört und Landarbeiter (besonders in Südamerika) schweren Vergiftungen ausgesetzt? Ist das freie Marktwirtschaft, wenn ausgerechnet im Lebensmittelbereich Monopolstrukturen gefördert werden und nur noch vier Supermarktketten bald 80% aller Lebensmittel verkaufen? Und wir so vor Konzerne stehen, die mehrheitlich Lebensmittel verkaufen, die vor lauter Haltbarkeit und ansprechendem Aussehen kaum noch nahrhaft sind oder (als frisches Gemüse etwa) fade schmecken. Gemüse und Obst, das mit Hilfe von Kunstdünger und Agrargiften unter Folien gezogen wird, hat kaum Aroma und wenig Nährwert. Es schmeckt nach nichts und befriedigt so den Speisenden nicht, der so gefährdet ist, zu viel zu sich zu nehmen. Es hat nichts mit freien Märkten zu tun, Lebensmittelkonzerne und landwirtschaftliche Großbetrieben 80% aller Agrarsubventionen der EU zuzuschustern, wie es derzeit der Fall ist. Und bäuerliche und Bio-Höfe mit 20 % der Zuschüsse abzuspeisen, obschon sie die regionalen und handwerklich hergestellten Lebensmittel produzieren, die 70 % der Bundesbürger zu kaufen wünschen. Letzteres ist eine Marktverzerrung mit gefährlichen Folgen. Der freie Markt wird unterlaufen, wenn die Industrie das Trinkwasser gefährdet, insofern eine Computergesteuerte und maschinenkompatible Massen-Tierhaltung zu viel Gülle produziert und in die Böden verbringt und so das Grundwasser verschmutzt. Und die Folgekosten dann auf die Allgemeinheit abwälzt und den Ärmeren höhere Wasserpreise beschert. Politiker, die die Wünsche der Bürger nach einer umweltverträglichen Landwirtschaft ohne Gift ignorieren, können kaum als ernsthafte Volks-Vertreter anerkannt werden. Die Politiker können sich auch nicht damit herausreden, dass ihre spezielle Wählerschaft etwa wünsche, den Klimawandel weiter zu forcieren. Denn eine kühler bleibende Erde Nr. Zwei gibt es nicht. Für Niemanden.