Klimastreik zum Klimagipfel

In Glasgow ist eben der neuste Klimagipfel eröffnet worden. Die Ergebnisse des Klimagipfels von Paris sind von den meisten Ländern zwar unterzeichnet, aber nicht umgesetzt worden. Bisher hat diese Art des Tagens offentsichtlich wenig gebracht. Daher geht die Jugend von „Fridays for Future“ tapfer weiter auf die Straße. Letzten Freitag hatte ich Besuch von „Extinction Rebellion“, zweien, die von weit her kamen, um auf dem Berliner „Klimastreik“ der Politik Beine zu machen. Sie fragten mich: Reicht denn die Dürre in Nordkenia, die Überschwemmungen im Golf von Bengalen und im Süden Thailands, die drei Dürre-Sommer und nun der total verregnet Sommer bei uns nicht? Haben wir vergessen, dass der Krieg in Syrien durch vorhergehende Dürre-Sommer ohne Ernten ausgelöst wurde? Reicht das alles nicht, um deutlich zu machen, dass unsere Wirtschafts- und Lebensweise radikal geändert werden müssen? Eine Maschinen-angepasste Landwirtschaft nützt kurzfristig zwar der Maschinenindustrie nicht aber den Menschen. Äcker, die so riesig sind, dass schon der geringste Wind riesige Mengen des Oberbodens wegweht, zerstören die Lebensgrundlage des Menschen. Sie erfordern Boden-zerstörende Kunstdünger und die Menschen vergiftende Agrarchemie. Große Teile der USA sind heute dadurch schon unfruchtbar, geschweige denn, dass diese Flächen noch als CO2-Senken dienen könnten, wie es fruchtbare Humusböden sehr gut können.

Riesenäcker für sogenannten Biodieselanbau sind verrückt, wenn sie dazu führen, dass ganze Regionen wie insbesondere Brandenburg immer weiter austrocknen, der Grundwasserspiegel sinkt, der Regen weniger wird, die Quellen versiegen, die Wälder verdorren und schließlich sogar brennen. Man kann auch niemandem etwa Urlaub ohne Flüge in die Ferne schmackhaft machen, wenn die mammutösen Felder eines Maschinenversessen Patriachats die Bewohner in den anliegenden Dörfern mit ihrer Ödnis und Langeweile quälen. Zumal da jeder weiß, dass nur die wirklich humöse Böden kleinteiliger Bauern- und Gartenwirtschaften gute CO2-Speicher sind. Es wären auch viel weniger Weinberge in das Ahrtal abgerutscht,  wenn man an den dortigen Steilhängen bei den Terassen längs zum Berghang geblieben wäre, so wie es vor 30-40 Jahren aus Gründen des Erosionschutzes überall üblich war. Stattdessen werden heute auch im Weinbau allzu häufig teure Maschinen eingesetzt, die die Böden verdichten und so ihre Wasseraufnahmequalität vermindern. Auch da, wo das von den geomorphologischen Gegebenheiten her nicht sinnvoll ist.

Jeder Mensch weiß, dass er in seinem Leben nicht unendlich wachsen kann, dass er irgendwann weniger leisten kann, seine Ämter abgeben muß und schließlich damit abfinden muss, dass auch ihn „das Ende segnen“ wird. Es ist daher richtiggehend komisch, wenn unsere Wirtschaftschefs und Politiker meinen, dass einzig die Wachstumsorientierung vor dramatischen Weltwirtschafts-Krisen schützen. Das Gegenteil ist der Fall, das ungezügelte Wachstum erzeugtdauernd neue Krisen. Wenn wir die kleinräumigen Bauernwirtschaften erhielten, die die Menschen über ihre lokalen Märkte ernährt, würden diese Böden Starkregen auffangen können, würden gute CO2-Senken sein, damit den Klimawandel begrenzen und überdies die Menschen in ihren Ländern halten. Die weltweite Erwerbslosgkeit unter der Jugend ist insbesondere Folge der Zerstörung der Kleinbauernwirtschaften des globalen Südens seitens „Investoren“ des Nordens.

Die Mexikaner feiern ihr Erntedank als Totenfest und picknicken auf den Gräbern ihrer Altvorderen. Es erinnert an die innige Verbindung der Lebenden mit den Toten. Daran, dass die Toten das Wissen und die Vorarbeiten gaben und sie so heute den Humus abgeben, der die Pflanzen hervorbringt die die Lebenden ernähren. Der Aufbau guter Garten-Humusböden dauert schließlich Jahre und Jahrzehnte, sogar Generationen. Es ist also unerträglich, wenn die Koalitionäre in Berlin über Steuerbegünstigungen reden, statt ernsthaft ein Programm zu entwickeln, dass den Klimawandel beendet oder zumindest drastisch reduziert. Als reiches Land kann die Bundesrepublik Deutschland dabei gut vorrangehen, auch wenn die anderen noch behaupten, nicht mitmachen zu wollen. Sie werden sich ohnehin schnell eines besseren Belehren lassen müssen. In den USA kümmert sich in den Städten und auf dem Lande eine überregionale Klima-, Land Trust-, Urban Agriculture und Community Gardening-Bewegung ganz praktisch um eine deutliche Änderung der Klimapolitik. Und China wird angesichts drohender Überschwemmungen in Nordostchina seine Kohleverbrennungen, seinen CO2-Ausstoß ebenfalls bald drastisch zurückfahren müssen. In Vietnam – so schien – mir trugen die jungen Leute die Atmeschutzmasken auch als Bekundung ihrer Abneigungen gegenüber fragwürdiger Massenernährung aus China. Und auch bei uns entstehen überall in den Städten und an deren Rändern Mikrolandwirtschaften, die mittels neuer Selbsthilfe-Strukturen wie Selbsterntegärten oder SoLaWis den Menschen vor Ort regionales Gemüse ohne Gift bescheren… Vordringlich wäre etwa ein Gesetz, das generell verhindert, je noch gute Humus-Böden als unsere wesentlichtsen CO2-Senken „Gewerbeparks“ oder dem Bauen zu opfern.

Weiterlesen: Urban Gardening in Berlin von Elisabeth Meyer-Renschhausen, Bebra Verlag, Berlin

Die Hauptstadtgärtner von Elisabeth Meyer-Renschhausen, Jaron Verlag, Berlin

Unter dem Müll der Acker von Elisabeth Meyer-Renschhausen, Helmer Verlag, Königsstein im Tanus

Das Foto von Jacob Weis zeigt die SoLaWi Augsburg