Landgrabbing weltweit

Anläßlich der internationalen Agrarministerkonferenz (Global Forum for Food Agriculture, GFFA), die tradtionell im Januar in Berlin stattfindet, weisen die Arbeits-gemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL, Brot für  die Welt, FIAN und INKOTA darauf hin, dass immer mehr Ackerland von Finanzinvestoren aufgekauft und für nachwachsende Rohstoffe und industrielle Zwecke genutzt wird. Am  22. Januar übergaben Traktorfahrerinnen und Traktorfahrer anlässlich der 12. „Wir haben es satt“-Aktion einen entsprechenden Appell an die Agrarministerinnen und Agrarminister des GFFA.  „Wir haben uns erneut auf den Weg gemacht, um diesen Aufruf zum Handeln an das GFFA zu übergeben, denn wir sind in großer Sorge um unsere Höfe hier und weltweit. Immer mehr unserer Kolleginnen und Kollegen verlieren das Land, von dem sie leben und aufdem sie arbeiten, um Nahrungsmittel für alle anzubauen“, so Reiko Wöllert, stellvertretender Bundesvorsitzender der AbL. Landgrabbing weltweit weiter ein riesiges Problem „In vielen Ländern sehen wir den Trend zum Landgrabbing ungebrochen, zum Beispiel in Mosambik wie unsere Partnerorganisationen berichten. Investoren haben in den letzten Jahren hunderttausende Hektar Land gekauft. Land, das jetzt Konzerne und nicht mehrBäuerinnen und Bauern bewirtschaften. Land, auf dem häufig keine Lebensmittel mehrangebaut werden, sondern Energiepflanzen für Industrie und Verkehr, obwohl vieleMenschen noch immer hungern“, so Lena Bassermann vom entwicklungspolitischen INKOTA-Netzwerk.  Heute werden wie im Globalen Süden auch bei uns immer mehr bäuerliche Betriebe verdrängt. Die Preise fürAckerland sind in den letzten 15 Jahren um 193 Prozent gestiegen. Versicherungskonzerne und Lebensmitteldiscounter wie ALDI erwarben tausende Hektarlandwirtschaftliche Nutzfläche. Die Großkäufer vermeiden sogar dafür Steuer zu zahlen, indem sie per betrügerischen „Share Deals“ kaufen, also nicht das Ganze kaufen, sondern einen zweiten Käufer beteiligen. Von 2007 bis 2016 galt das für ungefähr zwei Prozent der verkauften deutschen Acker- und Grünlandflächen. Das diesjährige GFFA-Thema „Nachhaltige Landnutzung und Boden“ weckt weltweit große Erwartungen „Wir appellieren an die Agrarministerinnen und Agrarminister, Maßnahmen gegen die Verdrängung von Bäuerinnen und Bauern zu beschließen. Mit den ‚Land-Leitlinien FAO‘liegt die völkerrechtliche Grundlage vor. Die Stärkung der bäuerlichenLandwirtschaft sollte im Abschlusscommuniqué verankert werden“, fordert Roman Herre von der Menschenrechtsorganisation FIAN. Mit den Land-Leitlinien hat derWelternährungsausschuss 2012 die Grundlage für eine menschenrechtskonformeLandpolitik verhandelt und einstimmig beschlossen. Es brauche einen Schub für die Umsetzung dieser Leitlinien in Deutschland und weltweit, ansonsten drohe eine Landwirtschaft ohne Bäuerinnen und Bauern. „Land muss zuallererst die Menschen ernähren. Ohne Bäuerinnen und Bauern, ohne einbreites Angebot an guten und erschwinglichen Nahrungsmitteln, werden wir den Hungernicht überwinden.  Wenn die Nahrungsmittelerzeugung verdrängt wird, weil Aktienfonds, Investoren oder Pensionskassen Land für Renditen nutzen, nimmt derHunger zu“, betont Stig Tanzmann, Referent für Landwirtschaft bei „Brot für die Welt“. Die Vereinten Nationen haben 2018 eine Bauernrechtserklärung (UNDROP) verabschiedet. Darin wird der Beitrag von Bäuerinnen und Bauern zur Ernährungssicherheit anerkannt. Weltweit warten Bäuerinnen und Bauern darauf, dass endlich eine globale Politik beginnt, r diese Erklärung umzusetzen. Das sollte das Ziel der Agrarministerkonferenz sein.“

zitiert nach: www.brot-fuer-die-welt.de
Fotos: Volker Gehrmann, Elisabeth Meyer-Renschhausen

weiterlesen: „Aldis Landlust“ in der aktuellen „Le Monde Diplomatique“ 10.2.2022 von Annette Jensen

http://ostdeutsche-bodenpolitik.de/2014/07/09/der-titelbeitrag-in-der-tageszeitung-taz-vom-31-5-2014-ueber-das-ackerkartell-und-die-konservativen-leitmedien-faz-und-welt/

Jörg Gerke, Ostdeutsche Bodenpolitik nach 1990. Das Zusammenspiel von Politik, Justiz und Verwaltung. Hamm 2012

Elisabeth Meyer-Renschhausen/Hartwig Berger: „Bodenreform“ in: Handbuch der deutschen Reformbewegungen, 1880-1993, hrsg. Diethart Kerbs, Jürgen Reulecke, Wuppertal: Peter Hammer 1998, 265-277