Forschung und Lehre

Die frühen 1970er Jahre waren eine Zeit der enthusiastischen Bildungsreformen. In den Schulen wurde die Koedukation und Kirchenunabhängigkeit zur Regel und eine gewisse Fächerwahl möglich. In den neu gegründeten Reformuniversitäten hatten der Mittelbau in den Gremien das Sagen und das Verhältnis zwischen Assistenten und Hochschullehrern war äußerst egalitär: halbe Fachbereichen arbeiteten gemeinsam an aktuellen Themen. Die Vision war: künftig sollte es vor allem lebenslange Assistenzprofessuren geben. Ende der 1970er Jahre wünschte die Neue Frauenbewegung Dozentenstellen auch für das weibliche Geschlecht. Aber die konservativen Kräfte bekamen bereits in den frühen 1980er Jahren wieder die Fäden ihre Hände; statt mehr Dozentenstellen sollten nur noch Professorenstellen ausgeschrieben werden, die Akademischen Räte wurden abgeschafft und nach 1990 verloren auch die Dozentinnen der Universitäten der DDR ihre Stellen. Im Zuge der neoliberalen Umstrukturierung (nach dem „Washington Consensus“ u.a. mit Gründunge WTO zum 1.1.1995) wurden die Universitäten gezwungen sich vom Bekenntnis zu Freiheit von Forschung und Lehre zu verabschieden. Mit dem Hochschulgesetz 2002 wurde dem Mittelbau ohne längerfristige Perspektiven via zwölf Jahres-Regel die Perspektiven genommen und „the second book“, das „zweite Doktorat“ – hierzulande die Habilitation – wurden zur Makulatur erklärt. Die oft jahrelange Forschungsarbeit der Privatdozentinnen (kurz „PD“ oder „Privdoz“) für diese zweite große Arbeit wurde kurzerhand in den Eimer gestampft. Die Kultur- und Sozialwissenschaften wurden drastisch zusammen geschmolzen – von den Religionswissenschaften bishin zu den Sprachen. Und in Ostdeutschland wie im globalen Süden wurden drastisch formuliert nahezu nur noch Techniker-Unis mit etwas BWL dazu gegründet. Die Exzellenz-Initaitive würde die Forschung bei weitem mehr als gute Lehre und entsprechend wurde nahezu nur noch an den Kunsthochschulen oder Universitäten der Künste wurden freischaffende Lehrende honoriert. – 2020 bedroht die Corona-Epidemie die engagierte Präsenz-Lehre durch gemeinsames Erarbeiten einer Fragestellung sowie die Örtlichkeiten konzentrierten Studiums, Universitäts- sowie öffentlichen Bibliotheken, die durch falsche Anreize der Politik ohnehin schon in Not geraten waren. Haben sich Bildungsreformer und Frauenbewegung umsonst engagiert? Droht das Ende des Zeitalters der Aufklärung und mit ihr wohl auch der Demokratie?

Buch

Zur Kritik der europäischen Hochschulpolitik. Forschung und Lehre unter Kuratel betriebswirtschaftlicher Denkmuster, hrsg. zus. mit Paul Kellermann und Manfred Boni, Wiesbaden: VS-Verlag 2009 https://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-531-91503-6

Aufsätze

Umgang mit der Privatdozentur – zur fortschreitenden Gleichschaltung eines Gemeinguts…
zus. mit Robert Schmitt Scheubel in: Lunapark – Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie 21 extra, Winter 2017/2018, 28-29

Die neue Bildungskatastrophe – Zur Lage der Universitäten und ihrer Wissenschaftlerinnen
in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Jg. 2012, Heft 11, 111-120

Wozu noch promovieren? Die Promotionen sind das Letzte, was den Universitäten noch blieb, aber Wozu noch Promovieren?
in: Berliner Debatte Initial, 23. Jg. 2012, Heft 4, 99-113

Kann man die Aufklärung kommerzialisieren?  – zus. mit Reinhard Blomert
in: Zur Kritik der europäischen Hochschulpolitik, hrsg. zus. mit Paul Kellermann und Manfred Boni, Wiesbaden: VS-Verlag 2009, 27-45
https://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-531-91503-6

Bericht zum Forum für Lehre zum Thema „Hochschulpolitik“
zus. mit Reinhard Blomert, Paul Kellermann und Heinz Steinert
in: Karl-Siegbert Rehberg, Hrsg., Die Natur der Gesellschaft – Tagungsband zum 33. Kongress der DGS in Kassel. Frankfurt a.M./New York 2008, Bd. 2, 1219-1235

„Verschrottung des Mittelbaus“ – Vom Umgang mit den Privatdozenten als Symptom neuer Intellektuellenfeindschaft
in: Torsten Bultmann, Hrsg., Prekarisierung der Wissenschaft, Berlin: Karl Dietz Verlag 2008, 41-52

Tagelöhner der Wissenschaft
Interview Armin Himmelrath mit E. Meyer-Renschhausen zur Lage prekärer Wissenschaftler 2008, WDR 5, 8.12.2008

„Verschrottung des Mittelbaus“ – Vom Umgang mit den Privatdozenten als Symptom neuer Intellektuellenfeindschaft
in: Torsten Bultmann, Hrsg., Prekarisierung der Wissenschaft, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Reihe: Manuskripte, 78; Berlin: Karl Dietz Verlag 2008, 41-52, Manuskripte_78.pdf

Von der Austreibung des Geistes aus den Universitäten. Sparkurs und Konkurrenzdruck, Verschulung und Aussieben der Frauen
in: Kommune – Forum 22. Jg. 2004, Heft 4, Seite 26-31

weiterlesen: Initiative Berliner Privatdozenten