Kleinstlandwirtschaft und Gärten

„Zwar habe ich kein Geld, aber ich bin frei!“ erklärte mir einmal der 90jährige Bauer Ayele im südlichen Äthiopien auf dem steilen Bergweg zu seinem Wochenmarkt. In Krisenzeiten wie in der derzeitigen Coronakrise, nach den Weltkriegen, in Zeiten großer Arbeitslosigkeit oder von Diktaturen besinnen die Menschen wo irgend es geht auf ihre Gärten zurück oder kehren auf die kleinen Gehöfte ihrer Großeltern zurück. Und so buddeln seitdem die neoliberale Politik die Regierungsgeschäfte dirigiert, im gewissermaßen natürlichen Gegenzug neue „Stadtbauern“ und andere „Kleinstlandwirte“ auf Müllhalden und Brachen, in Parks oder auf Friedhöfen. Über dieses Community Gardening kehrt die informelle Selbsthilfeökonomie der Frauen und Armen, die Selbstversorger resp. Subsistenz-Landwirtschaft in die öffentliche Wahrnehmung zurück. Die Förderung der Selbsthilfe und des Kleinverkaufs im Rahmen der sogenannten Entwicklungshilfe durch den Gemüseanbau in Spontansiedlungen sogar Kisten oder Säcken, das Hühnerhalten in Hinterhöfen und gemeinschaftliche Gärtnern in den Armenvierten der Megastädte von Nairobi bis Baltimore ist weltweit im Kommen. Die urban agriculture des Südens wird flankiert und gewürdigt durch die Gemeinschaftsgartenbewegung als neuer städtischer Agrarkultur im globalen Norden. Durch die Schreibtischödnis ins Freie getrieben, gärtnern auch hier immer mehr Junge, sorgen sich um das Saatgut, kompostieren mittels Würmern sogar indoor in ihren Küchen, protestieren gegen die Agrarchemie oder machen sich sogar ganz auf, aufs Land zu gehen.

Unterdessen hat die Gesellschaft als solche verstanden, wie wichtig diese weltweite soziale Bewegung ist: während sie einen ernährt, erhält sie für alle die biologische Vielfalt und die lokalen Mikroklima. Während die rein auf den Verlauf orientierte Landwirtschaft, vor allem wenn sie auf konventionelle Art und Weise betrieben wird, die Landschaften verödet, die Böden zerstört, das Grundwasser belastet oder sogar die Lust verpestet, ist die Garten- und Kleinlandwirtschaft für den Eigenverbrauch (samt lokalem Verkauf) davor in der Regel geschützt. Forscherinnen und Forscher haben es nachgezählt und herausgefunden: die Hausgärten der Maya in Mittelamerika umfassen über 250 verschiedene Arten und ernähren ganze Großfamilien und liefern zudem Produkte für den örtlichen oder transatlantischen Markt. Das gleiche gilt für die kleinbäuerlichen Gartenlandwirtschaften im tropischen Afrika oder in Südostasien, etwa im Norden Vietnams. Die fruchtbarsten dieser Gartenlandwirtschaften sind jene des tropischen Regenwaldgürtels, in denen die Landwirtschaft „dreistöckig“ betrieben werden kann. Als Waldgärten sind sie geeignet das immer knapper werdende Wasser im Boden zu halten oder als Waldgartengürtel den Regen sogar anzuziehen. Als „Agroforestry“ (Waldgartenwirtschaft) gelten sie heute als die Bewirtschaftungsform der Zukunft, die einzige, die die Schäden der weltweiten (Regen-)Waldvernichtungen zumindest im kleinen Rahmen etwas entgegen setzen können. Wird unsere paradox-paradiesische Zukunft darin bestehen, mit den Händen wieder aufzubauen, was wir mit unseren gigantomanischen Maschinen zerstört haben?

Bücher

Aufsätze

 

Interkulturelle Gärten, das bedeutet frisches Gemüse aus eigenem Anbau mitten in der Stadt im Miteinander unterschiedlicher Kulturen. In den Gemeinschaftsgärten buddeln Bürger, Zugereiste, Geflüchtete und Hiesige, Jung und Alt gemeinsam. Mit etwas Glück können sie später gemeinsam betrachten und verspeisen, was sie gesät und gepflegt haben.

Berlin | New York | Göttingen

Berlin

Das Gleisdreieck ist eine ehemalige Brachfläche in der Mitte Berlins. Dank der AG Gleisdreieck und anderen Bürgerinitiativen ist daraus der Park auf dem Gleisdreieck geworden. Als Besonderheit wurden hier deshalb zum ersten Mal in Berlin Interkulturelle Gärten und Kleingärten integriert.

Auf dem Gleisdreieick – der Garten „Rosenduft“ (Sommer 2008)

Gleisdreieck

Gleisdreieck

New York

Community Garden „B6“ in New York

Community Garden "B6" in New York

„Backyard Garden“

"Backyard Garden"

"Backyard Garden"

Göttingen

Internationale Gärten Göttingen e.V.

Internationale Gärten Göttingen e.V.